Eine Besichtigung dauert im Schnitt 45 Minuten. Wer hier oberflächlich bleibt, übersieht leicht Probleme, die später fünfstellige Nachinvestitionen bedeuten. Aus unserer täglichen Arbeit kennen wir die Schwachstellen regionaler Bauten gut. Hier die Punkte, die wir jedem Käufer ans Herz legen:
Feuchtigkeit im Keller: Besonders bei älteren Häusern im Holm, in Friedrichsberg und entlang der Schlei ein wiederkehrendes Thema. Schauen Sie in den Keller, achten Sie auf muffigen Geruch, Salzausblühungen an den Wänden und abplatzenden Putz. Fragen Sie konkret nach Drainage, Abdichtung und dem letzten Hochwasserstand.
Heizungsanlage: Alter der Heizung, welcher Energieträger, wann war die letzte Wartung? Seit dem neuen Gebäudeenergiegesetz greifen beim Heizungstausch Vorgaben zu erneuerbaren Energien. Eine Gasheizung von 2008 funktioniert vielleicht noch, steht aber absehbar zum Austausch an. Eine neue Wärmepumpe bewegt sich je nach Auslegung zwischen 25.000 und 40.000 Euro. Rechnen Sie das ein.
Dach und Dämmung: Wann wurde das Dach zuletzt gedeckt? Ist die Dämmung GEG-konform? Ein unsaniertes Dach kann schnell 30.000 bis 50.000 Euro Investition bedeuten.
Fenster: Zweifach- oder Dreifach-Verglasung? Bei Altbauten oft noch Einfachverglasung mit entsprechend hohen Heizkosten.
Elektrik: Besonders in Häusern, die vor den 80ern gebaut wurden, sind die Elektroinstallationen häufig nicht mehr auf dem Stand heutiger Anforderungen. Eine komplette Neuverkabelung bewegt sich im fünfstelligen Bereich.
Energieausweis: Muss Ihnen bereits bei der Besichtigung vorgelegt werden, so schreibt es das Gebäudeenergiegesetz vor. Wer keinen zeigt, riskiert ein Bussgeld. Für Käufer ist der Ausweis ein wichtiger Hinweis auf die künftigen Betriebskosten.
Baulasten und Altlasten: Gerade im Kreis Schleswig-Flensburg gibt es Flächen mit Altlastenverdacht aus landwirtschaftlicher oder gewerblicher Vornutzung. Baulasten (etwa Wegerechte für Nachbarn) stehen nicht im Grundbuch, sondern im separaten Baulastenverzeichnis. Das vergessen viele Käufer.
Schimmel und Geruch: Gehen Sie in jedes Zimmer, auch in Abstellräume. Frische Farbe kann Schimmel kurzfristig kaschieren. Ein muffiger Geruch in Ecken spricht Bände.
Wir hatten letztes Jahr einen Fall in Schleswig, der das gut zeigt: Ein Käufer hatte sich in ein Einfamilienhaus aus den 70ern verliebt, Preis klang fair. Bei der zweiten Besichtigung mit einem Bausachverständigen kamen 65.000 Euro nötige Sanierung zutage, vom Dach bis zur Elektrik. Die Verhandlung über den Preis verlief dann auf ganz anderer Grundlage.